Kategorie: Blog von Johann-Christian
Tschüss Musicload: acht Monate Musik nonstop
12. Oktober 2007Musikportale werden immer populärer. Sei es Apples iTunes, Napster oder eben Musicload . Apropos Musicload - seit September 2006 gibt es dort ein neues Angebot namens Musicload nonstop. Für 8,95 Euro Musikhören bis zum Abwinken: 1,5 Millionen Titel . Es handelt sich praktisch um eine Musikhör-Flatrate. (Ein Drei-Monats-Abo mit längerer Kündigungsfrist ist noch etwas günstiger und kostet 25,95.)
Die Werbung verspricht Folgendes:
- über 1,5 Mio Songs in voller Länge - jederzeit
- eigenes Musikprogramm zum Online-Hören
- keine Installation, volle Kostenkontrolle
- Playlists zum Zusammenstellen und Tauschen
- Nonstop neue Musik entdecken, ohne Download
Ich habe das System getestet - und zwar acht Monate lang.
Tatsächlich: Man muss nichts herunterladen, die Musik wird vom Browser abgespielt. Und zwar von einem kleinen Player im Popup-Fenster. Der erste Minuspunkt: zum Hören brauchst du den Internet Explorer ab Version 5.5. Zwar gelingt das Abspielen auch mit dem Firefox, dort wird jedoch immer nur ein Titel gespielt. Wenn du eine ganze CD oder eine Playlist (Abspielliste) abhören willst, musst du also nach jedem Titel wieder auf »Play« klicken. Das ist auf Dauer ziemlich nervig.
Die Soundqualität
Die Soundqualität ist sehr gut. Selten gibt es mal einen Aussetzer oder Knackser. Da das dann jedoch immer wieder an den gleichen Stellen passiert und auch bei Musikdownloads der Fall ist, führe ich das auf Fehler bei der Digitalisierung zurück. (Ich kenne den Mann, der die Musik digitalisiert.) Die Dateien liegen übrigens im geschützen WMA-Format vor. Sie werden gestreamt und können nicht direkt heruntergeladen werden. (Was ich als großen Vorteil empfinde, denn der Gedanke, umfangreiche Musikbibliotheken auf meinem PC verwalten zu müssen, schreckt mich ab. Das bedeutet aber auch, dass du beim Hören immer den PC eingeschaltet haben musst.)
Das Angebot
… ist riesig und reicht von Klassik über Pop bis hin zu ausgewählten Comedy-Hörbüchern. Allerdings können nicht alle Alben und nur ganz wenige Hörbücher per Flatrate gehört werden. Außerdem gibt immer mal wieder Titel, die offenbar aus lizenzrechtlichen Gründen nur im Downloadkauf erworben werden können. Und CDs mit dem Soundtrack meines Lieblingsmusicals »Chorus Line« waren leider auch nicht dabei - trotz der Riesenauswahl.
Wie schnell findet man das Gesuchte?
Nicht so schnell. Ich finde die Kategorien nicht fein genug. So ist Jazz/Klassik gar in einer Kategorie vereint. Auch die Suche führt nicht immer zum ersehnten Ziel. Die Eingabe von disco bescherte mir nicht etwa viele Treffer klassischer Diskomusik aus den 80-er Jahren, sondern lauter neumodisches Zeug. Auch die Eingabe von samba war nicht viel hilfreicher - über 500 Treffer, die oft gar nichts mit dem Musikstil zu tun haben.
Es fehlen sinnvolle Tags bzw. Kategorien, die die Musikrichtung beschreiben und nach denen man suchen kann. Immerhin gibt es eine alphabetisch aufgebaute Interpretenübersicht und eine erweiterte Suche.
Was ich positiv finde
Man kann ziellos stöbern und sich ganze Alben oder auch Playlists anderer Hörer anhören. Man kann seine Liblingsalben in einer Merkliste speichern und selber Playlists erstellen. So habe ich Musik kennengelernt, die ich sonst nicht hören würde.
Was mich nervt
Man bekommt leider fast keine Informationen zu den Alben oder Interpreten, abgesehen von einer Miniaturvorschau des CD-Covers. Bei längeren Titeln (ab 5-6 Minuten) wird man nach den Hören automatisch wieder ausgeloggt. Scheinbar war die Seite zu lange inaktiv. Man bekommt dann immer zu hören: “Freut mich, dass Sie Musicload nutzen wollen. Nur noch schnell eingeloggt und los geht’s.” Hinterlegt mit einer nervig-treibenden Musik. Jedes Mal ist dann eine neue Einloggprozedur erforderlich. Für Klassikliebhaber oder Hörer von Hörbüchern ist Musicload nonstop daher kaum geeignet. Es sei denn, man lädt die Seite alle paar Minuten , damit man eingeloggt bleibt. Das nervt wirklich!
Ebenfalls ärgerlich: Manche Titel bzw. CDs waren von einem Tag auf den anderen plötzlich nicht mehr verfügbar. So beispielsweise »Melancholisch schön« von 2Raumwohnung. Pech gehabt. Musikflatrate bedeutet nicht automatisch, dass man zu jeder Zeit ein Anrecht auf das Hören aller Titel hat. Und somit müsste man das erste Werbeversprechen über 1,5 Mio Songs in voller Länge - jederzeit einschränken. Man kann aber nicht jederzeit alle Titel hören!
Kündigung künstlich erschwert
Am meisten gestört hat mich jedoch das komplizierte Kündigungsverfahren. Das Kundenmenü versprach einfaches, kundenfreundliches Kündigen per Mausklick. (Ganz im Gegensatz zu Napster, da soll das Kündigen sehr schwer sein.) Doch Pustekuchen! Nach einem endgültigen Kündigungsklick erfuhr ich jedes Mal, dass das Kündigen aus technischen Gründen derzeit nicht möglich sei. Ich solle das Browserfenster neu aufrufen bzw. zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen. Habe ich alles gemacht, von verschiedenen Computern aus. Nichts! Also blieb im Endeffekt doch nur die bewährte Methode mit dem Einschreiben. Danke. Und tschüss, Musicload.
Und das hat den ursprünglich durchaus guten Eindruck dann doch etwas verdorben. Zumal es längst etwas gibt, das mir meilenweit besser gefällt. Dort finde ich endlich die Musik, die ich mag und kann sie kostenlos und völlig legal den ganzen Tag hören. Dabei wird das System von Tag zu Tag besser. Ohne Abogebühren. Mehr darüber verrate ich dir in meinem neu aufgelegten Heft Internet leicht und verständlich.
Fazit:
Musicload ist für diejenigen interessant, die gerne und viel Musik hören. 1,5 Mio. Titel stehen zum sofortigen Hören zur Auswahl. Die Klangqulität ist sehr gut, die Suchfunktion dagegen verbesserungswürdig. Für Hörer klassischer Musik ist das Angebot weniger geeignet, da zu lange Titel zum automatischen Ausloggen führen. Außerdem scheint die vorgesehene Möglichkeit der Online-Kündigung nicht zu funktionieren.
Es grüßt sehr herzlich: Johann-Christian Hanke
