Kategorie: Aus dem Lektorat
Test der Stativleinwand Celexon 176 x 132
6. März 2008Die Mitarbeiter von Lektorat und Verlag testen immer mal wieder interessante technische Produkte. Teils erhalten wir sie von den Firmen leihweise gestellt, teils erwerben wir sie auch für unseren Privatgebrauch. In loser Folge veröffentlichen wir die Testergebnisse.
Heute geht es um die Stativleinwand Celexon 176 x 132 Tripod Eco. Unser Autor Johann-Christian Hanke hatte Gelegenheit, dieses Modell zu testen. Hier sein Bericht.
Die technischen Daten
“Das Bild überzeugt mit Brillianz, guten Kontrasten und hoher Reflektion.” schrieb die Zeitschrift ColorFoto in Ausgabe 6/2005. Den Testern gefiel vor allem der unschlagbare Preis. Nun, auch wir haben uns im Vorfeld von diesem Testbericht und vom guten Preis-Leistungs-Verhältnis verführen lassen und bestellten das Modell Celexon 176 x 132 Tripod Eco im klassischen 4:3-Format. Der Preis betrug mit Versand: 87,90 EUR. Günstig, aber kein wirkliches Schnäppchen.
Besonders begeistert hatte uns im Vorfeld der schwarze Rand - ein Feature professioneller Leinwände. Das verleiht dem Bild mehr Kontrast und Brillianz und ist auch aus dem Kino bekannt. Vor allem Heimkino-Freunde legen darauf Wert. Auch der versprochene Gain-Faktor von 1 ist optimal - das Licht wird gut zurückgeworfen und der Betrachtungswinkel ist hoch. (Je höher der Gainfaktor, desto enger der Betrachtungswinkel.) Außerdem sollte die Leinwand lt. Herstellerangaben stabil sein und sich schnell zusammenfalten lassen.

So präsentiert der Hersteller das Produkt auf seiner Website Beamershop 24 als “Topp Angebot”. Die Nachteile (siehe unten) werden dabei leider verschwiegen.
Ein sogenannter Keystonebügel ist auch im Lieferumfang, aber das bieten mehr oder weniger alle transportablen Stativleinwände. Das ist ein herausklappbarer Bügel am oberen Ende der Stativstange. Damit lässt sich die Leinwand nach vorne gekippt aufhängen und die sogenannte Keystoneverzerrung bei ebenfalls (nach oben geneigten) Projektoren wird reduziert
Die Projektion
Soviel vorweg: Vom Projektionstechnischen her lässt die Leinwand kaum Wünsche übrig. Das Bild ist hell und klar und die schwarze Maskierung erfüllt ihren maskierenden Zweck optimal. Wer genau hinsieht, erkennt bei weißen Stellen allerdings die recht grobe Struktur der Leinwand. Für Seminare ist das vollkommen unproblematisch, manch ein Heimkinofreund ist mit feiner gewebten Tüchern besser bedient.
Auspacken und Aufstellen
Doch zum eigentlichen Test. Wir bestellten über Amazon.de, als Verkäufer fungierte direkt die Firma Celexon GmbH aus Emsdetten, die übrigens unter www.celexon.de und www.beamershop24.net auch eigene Internetpräsenzen betreibt. Wir bekamen das Produkt schon am nächsten Tag geliefert. Weniger als 24 Stunden zwischen Bestellannahme und Auslieferung - das ist Spitze! Die Firma Celexon aus Emsdetten hat ihre Logistik wirklich im Griff.
Die Leinwand ist gut und sicher verpackt, der Karton wurde mit zusätzlichen Eckenschonern versehen. Was uns sofort auffällt: Es fehlt ein Beipackzettel. Eine kurze Gebrauchsanleitung mit Pflegehinweisen und/oder eine Aufstellanleitung wären vorteilhaft gewesen. Nun, selbst ist der Mann.
Das Aufstellen klappt dann auch ohne Anleitung und kurze Zeit später steht die Wand.
Penetranter Plastgeruch
Kaum aufgebaut, verschlägt es uns auch schon den Atem. Was uns zuerst auffällt, ist ein strenger, penetranter Plastgeruch. Offenbar wurde die Leinwand nicht aus Stoff, sondern aus Plastik erzeugt (aus PVC?). Oder zumindest mit Plastik beschichtet. Bei Plastik sorgen Weichmacher, in der Regel die umstrittenen Phtalate, dafür, dass das Material biegsam und geschmeidig wird. Weichmacher sind in Kinderspielzeug längst verboten und stehen im Verdacht, Leberschäden hervorzurrufen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und für Krebserkrankungen verantwortlich zu sein.
Die Hoffnung, dass sich der Geruch schnell verfliegt, erfüllt sich nicht. Selbst eine Nacht im ausgeklappten Zustand in einem belüfteten Raum bringt keine Besserung. Man muss sich das so vorstellen, also ob der ganze Raum mit Aufblastieren und PVC-Gästebetten gefüllt ist. Deren typischen Geruch multipliziere man mit 10 und dann erhält man vielleicht einen Eindruck davon, wie die “Leinwand” bzw. “PVC-Wand” ausgast. Der Geruch ist so stark, dass er durch die geöffnete Tür in andere Räume entweicht.
Faltenbildung
Ein weiterer Mangel: Die Leinwand wirft Falten, wie man der Abbildung entnehmen kann.

Faltenbildung im Detail: Das “Tuch” rollt sich am Rand (schon deshalb macht die schwarze Maskierung Sinn), bildet aber auch sonst ungleichmäßige Längstfalten. Im Hintergrund sieht man übrigens das wegen der Ausgasung geöffnete Fenster.
Wir fragen nach: Laut Herstellerangaben läge das aber im Rahmen des zu Tolerierenden. Das wundert uns sehr, da das Material ja eigentlich gut spannt. An der Mechanik liegt es bestimmt nicht, die macht einen robusten Eindruck. Wir recherchieren im Internet und erfahren, dass so mancher Kunde Probleme mit Faltenbildung hat. Andere Käufer sind offenbar zufrieden.
Unsere Vermutung ist, dass das Tuch vorher nicht optimal gelagert wurde und sich dabei verzogen hat. Indiz dafür sind wiederkehrende, gleichmäßige waagerechte Knickstellen im Tuch, so als ob es Linien hätte. Vermutlich wurde es vorher nicht auf Rolle, sondern im Stapel gelagert.
Zum Vergleich: Unser Rollo im Badezimmer ist 8 Jahre alt und wird mehrmals täglich auf- und zugezogen. Es hängt aber immer noch absolut plan und schlägt keinerlei Wellen. Und das, obwohl es überhaupt nicht gespannt wird und auch nicht aus schwerem Plastmaterial, sondern leichtem, geruchsneutralen Baumwollstoff besteht.
Das Zusammenklappen
Wir wollen die Leinwand wieder zusammenlegen und lösen die obere Haltestange des Tuchs von der Aufhängung. Nichts passiert. Unangenehme Erinnerungen an Omas nie funktionierende und dann plötzlich mit einem Satz zuschnappende Schnapprollos kommen auf. Tja, wie rollt man das Tuch ein? Wir versuchen, mit dem Finger etwas nachzuhelfen. Schwupps - das Tuch bewegt sich und der Finger klemmt. Ungeschickt! Zu dumm, dass eine Gebrauchsanweisung fehlt!
Nach mehren Versuchen hat die Mechanik offenbar begriffen, dass sie das Tuch wieder einrollen soll. Sie tut das, aber nicht kontinuierlich, sondern in Schüben. Man muss die Leinwand mit Gefühl halten und immer ein Stückchen Tuch nachgeben. Dann klappt es! Wenn man den Bogen erst einmal raus hat, lässt sich das Stativ gut zusammenlegen. Sowohl zusammengelegt als auch aufgebaut macht es einen recht robusten Eindruck.
Die Vorteile
- robuster Aufbau, gute Standsicherheit
- leichte Höhenverstellbarkeit
- gute Projektionseigenschaften
- schwarze Maskierung (schwarzer Rand)
- platzsparende Aufbewahrung nach Zusammenklappen
- günstiger Preis
Die Nachteile
- etwas kompliziertes Handling durch hakelnden Rückrollmechanismus
- extreme Ausgasung nach Weichmachern
- Faltenbildung, die lt. Herstellerangaben zu tolerieren ist
Aufgrund dieser Nachteile geben wir die Leinwand sofort zurück. Die Rücknahme erfolgt bequem an der Wohnungstür via ups-Abholung.
Das Testergebnis
Unser Testergebnis lautet wegen der Mängel trotz guter Bildqualität: nicht empfehlenswert.
Fazit
Die Celexon 176 x 132 Tripod Eco ist eine robuste, günstige Leinwand mit guten Projektionseigenschaften. Nach anfänglichem Hakeln hat sich auch die Einrollmechanik offenbar eingespielt. Die “Leinwand” neigt allerdings zur Faltenbildung und gast stark aus. Wer aus seine Gesundheit Wert legt bzw. kleine Kinder hat, sollte auf den Kauf besser verzichten. Wir finden das sehr schade. Denn wenn die Firma ein besser spannendes und vor allem geruchsneutrales Tuch verwenden würde, könnte man das Produkt mit gutem Gewissen empfehlen. Zumindest der Kundenservice von Celexon ist jedoch hervorragend.
Update vom 13.03.2008
Wie wir inzwischen durch Recherchen festgestellt haben, stammen die Leinwände offenbar aus China. Lesen Sie dazu einen Beitrag in der Welt vom 10.12.2006. Das würde den penetranten Plastgeruch plausibel machen, selbst chinesisches Spielzeug muss/musste immer wieder wegen schädlicher Stoffe vom Markt genommen werden. Es gibt auch Firmen, die extra betonen, dass ihre Leinwände nicht aus China, sondern aus der EU stammen. Solche Produkte erhalten Sie beispielsweise von der Vision24 GmbH aus Biebesheim am Rhein. Womöglich erhalten Sie hier weniger stark ausgasende Produkte, wir haben aber noch keine Leinwände dieser Firma getestet.
