Kategorie: Aus dem Lektorat

Test des Datenbeamers BenQ MP620c

13. März 2008

Die Mitarbeiter von Lektorat und Verlag testen immer mal wieder interessante technische Produkte. Teils erhalten wir sie von den Firmen leihweise gestellt, teils erwerben wir sie auch für unseren Privatgebrauch. In loser Folge veröffentlichen wir die Testergebnisse. Heute geht es um den Datenbeamer BenQ MP620c mit XGA-Auflösung. Hier unser Bericht.

Gutes Gerät, gutes Angebot

Beruflich kennen wir uns gut mit Beamern aus - mit LCD-Geräten. Wir nutzen bzw. erleben sie seit Jahren bei Vorträgen und Schulungen. Sie sind (bzw. waren) teuer, oft laut, schwarzschwach und vor allem “filterhungrig”. Bei manchen Geräten kommt alle 500 Betriebsstunden ein Warnhinweis, man möge doch bitte den Filter säubern. Ein Sanyo-Modell meldet sich beispielsweise regelmäßig mit der Botschaft “Bitte säubern Sie Filter” - was stets zur Erheiterung der Teilnehmer beiträgt. Umso neugieriger waren wir auf einen Vertreter der sogenannten DLP-Technik, den BenQ MP620c. Sattes Schwarz, kräftige Farben? XGA-Auflösung? Dafür den berüchtigten Regenbogeneffekt? Wir hatten einige Wochen Gelegenheit, das Gerät zu testen.

Kein Regenbogeneffekt

Soviel vorweg: Einen Filter, der gewechselt werden müsste, gibt es zum Glück nicht. Der ist bei der DLP auch gar nicht nötig. Hier gibt es nur mikroskopisch kleine, kurz auf- und zuklappende Spiegel und keine ständig dem Dreck ausgesetzen LCD-Panels. Auch der Regenbogeneffekt (man sieht kurzzeitig alle Regenbogenfarben) ist in unseren Test so gut wie nicht aufgetreten. Ob das an unseren Augen oder am 5-Segment-Farbrad liegt, wissen wir nicht. Auch sonst ist dieses Gerät anders: vergleichsweie leise (24 dB), lichtstark (selbst im Eco-Modus) und günstig. Und dazu noch leicht und todchic! Die XGA-Auflösung (1024 x 768) ist genau richtig für Seminare und auch für das Heimkino. Weniger sollte es nicht sein!

Viele Anschlüsse

Anschlüsse bietet der Projektor zuhauf: VGA, DVI und sogar S-Video-, Audio- und Video-Eingang. Auch ein Lautsprecher ist eingebaut, falls einmal keine externe Soundanlage zur Verfügung steht (Daher der Audio-Eingang). Von den Eingängen her bleiben also keine Wünsche übrig.

Gute Bildqualität bei Präsentationen

Das Bild vom PC überzeugt rundherum. Es ist hell, die Farben sind satt und kräftig. Der Raum muss nicht einmal komplett verdunkelt werden. Besonders über DVI lässt das Bild keinerlei Wünsche übrig, aber auch ein sauberes VGA-Signal (Qualität der Grafikkarte zählt!) liefert gute Ergebnisse. Das Bild kann optisch gezoomt werden, die vertikale Trapezkorrektur (wenn der Beamer geneigt werden muss) erfolgt allerdings nur verlustbehaftet auf digitalem Weg.

Und im Heimkino?

Wie sieht es mit dem Heimkino aus? Wir schließen den DVB-T-Tuner Technisat DigiPal 2 via S-Video an und wählen den Cinema-Modus am Projektor aus. Das Bild geht in Ordnung, mehr aber auch nicht. Ob das der PC besser kann? Zum Vergleich verbinden wir einen mit DVB-T-Karte ausgestatteten PC über den DVI-Anschluss. Was für ein frappierender Unterschied! Via PC ist selbst das Fernsehbild erstaunlich klar, lebendig und kontrastreich. Außerdem besitzt es keinen Overscan, es wird also runderherum kein bißchen mehr abgeschnitten. Das gleiche Ergebnis bei DVDs: Perfektes Bild bei Zuspielung über den PC, schlechteres Ergebnis über einen Standalone-DVD-Spieler. Immerhin lassen sich externe DVD-Player per YUV-auf-VGA-Komponentenkabel anschließen. Damit ist die Bildqualität etwas besser, sie wird aber nie ganz so gut wie bei Zuspielung vom PC.

Test mit der Grautreppe

Wir wollen es genau wissen und prüfen mit Peter Finzels Test DVD. Die Kontrast-Grautreppe (26 abgestufte Grautöne von 0%-24% und 76%-100%) schafft der Projektor nicht. Etwas mehr Helligkeit hilft, aber immer noch verlaufen jetzt drei der dunkelsten Farbbalken zu “schwarz”. Klar, der Projektor ist ein Datenbeamer und bietet nur einen Kontrast von 700:1 (im Vergleich von 2000:1 und mehr von Heimkino-Beamern). Nun kommt die Überraschung: Wir aktivieren den Bildverbesserer CLEV-2 (enthalten bei Cyberlinks DVD-Abspielprogramm PowerDVD). Auf einmal schafft der MP620c die Grautreppe und stellt alle 26 Graustufen klar unterscheidbar dar. Kontrastverbesserung per Software - das ist ein Kompromiss, mit dem man gut leben kann!

Lampenkosten

Beim Thema Lampenkosten sind Verbraucher besonders sensibel. Denn für viele Kunden sind die Lampen der Beamer längst das geworden, was die Tintenpatronen bei Tintenstrahldruckern sind: Goldgruben und Abzockobjekte. Die Bilanz dieses Beamers sieht erfreulich anders aus. Die Lampe hält im Eco-Modus (der vollkommen ausreicht!) nach Herstellerangaben bis 4.000 Betriebsstunden. Zum Vergleich: Dazu muss man den Beamer drei Jahre lang jeden Tag 3,5 Stunden betreiben. Und laut Preisrecherche sind Ersatzlampen schon ab 99,- EUR zu haben. Das ist vergleichweise günstig.

Aber es kommt noch besser: Derzeit wird der Beamer als günstiges Bündelangebot vertrieben, bei dem eine Ersatzlampe gleich mit dabeiliegt. Und das ohne nennenswerten Aufpreis! Davon können sich die anderen Herstellern eine große Scheibe abschneiden!

Die Kosten

Der Straßenpreis für diesen Projektor beträgt (mit Ersatzlampe) zwischen 560 und 600 EUR. Das ist günstig, wenn man bedenkt, dass bei anderen Herstellern allein die Ersatzlampe oft mit bis zu 300,- EUR zu Buche schlägt.

Was noch mitgeliefert wird

Selbstverständlich gibt es zum Beamer eine Fernbedienung, mit der alle Optionen des Menüs aufgerufen werden können. Dass diese nicht beleuchtet ist, können wir verschmerzen. Schließlich handelt es sich um einen Präsentations- und nicht um einen Heimkino-Beamer. Auch VGA- und Netzkabel sind mit dabei. (DVI-, S-Video- und Komponentenkabel muss man selbst vorhalten.) Toll ist auf jeden Fall die mitglieferte, gut verarbeitete und bestens gepolsterte Tasche mit Schultergurt. So ist der Beamer nach jeder Präsentation gut geschützt!

Das Testergebnis:

Unser Testurteil lautet: sehr empfehlenswert, auch für das Heimkino.

Fazit:

Alles in allem wurden unsere Erwartungen weit übertroffen! Die DLP-Technik scheint nach unserem Eindruck den LCD-Projektoren überlegen zu sein. Das Gerät ist leise, gut verarbeitet und liefert ein helles und brilliantes Bild. Es macht selbst im Heimkino eine gute Figur, wobei der Kontrast dank Cyberlinks Bildverbesserer CLEV-2 verbessert werden kann. Die Lampenkosten halten sich in Grenzen, der lästige Filterwechsel entfällt. Durch die mitgelieferte Ersatzlampe wird dieses Angebot besonders attraktiv.

P.S. Stiftung Warentest hat das Vorgängermodell MP620 getestet und für mangelhaft befunden. Das Urteil gründet sich allerdings einzig und allein auf den hohen Standby-Verbrauch, die Bildqualität war gut. Wie hoch der Standby-Verbrauch bei diesem Nachfolgemodell ist, wissen wir nicht. Er spielt in unseren Betrachtungen allerdings eine untergeordnete Rolle, da wir das Gerät nach Benutzung sowieso stets vom Netz trennen.

Hinweis: Der Test wurde durchgeführt im Februar und März 2008. Testleiter war unser Autor Johann-Christian Hanke